„Mamas dürfen nicht wütend sein!“

Mit klaren Worten schmetterte mein dreijähriger Sohn mir diesen Satz ins Gesicht. Ich war erstmal sprachlos.

Müssen Mamas immer ruhig und verständnisvoll sein?

Hat er etwa Recht?

Ich dachte immer, ich muss meine Wut vor meinem Sohn verbergen. Spielte die Rolle einer ruhigen Mutter, obwohl es in mir brodelte.

Ich dachte, ich muss Traurigkeit oder Erschöpfung verbergen – ein falsches Lachen aufsetzen und gut ist.

Aber nichts war gut!

Ich merkte irgendwie, dass ich auf dem falschen Dampfer war. Je älter mein Sohn wurde, desto mehr durchschaute er mein falsches Spiel. Er wollte eine echte Mama haben.

Ich glaube ihn verwirrte am meisten meine Körpersprache, die manchmal nicht zu meinen Worten passte. Vor allem kleine Kinder glauben eher der Körpersprache als Worten.

Wenn ich zu meinem Sohn sage: Komm wir müssen los – aber dabei sitzen bleibe – kann ich mir sicher sein, dass bei ihm keine Regung kommt. Wenn ich aber dabei aufstehe und in Richtung Tür laufe, dann läuft er mir hinterher. Zumindest meistens 😉

Unsere Haltung, Mimik und Gestik lässt keine Gefühle verschleiern. Also sollten auch die Worte dazu passen.

Ein kleiner Appell an jede tolle Mama da draussen

1. Sei du selbst! Sei authentisch!

Erkläre deinem Kind deine Bedürfnisse, Wünsche und was du nicht gern magst. Nur so lernt dein Kind wirklich dich kennen.

Und das ist sooo wichtig, damit dein Kind später auch für sich selbst einstehen kann. Dadurch lernt es das.

Du bist müde und dein Kind möchte Ball spielen. Sag ihm, ob ihr nicht lieber ein Buch lesen könnt, weil du gerade so müde bist. Vielleicht beharrt dein Kind auch aufs Ball spielen. Aber dass du müde bist, hat es trotzdem im Hinterkopf und wird früher oder später darauf eingehen.

2. Nenne die Gefühle beim Namen.

Wut, Trauer, Scham, Freude, Angst sind alles wichtige Gefühle. Durch dich kann dein Kind lernen, dass diese Gefühle ok sind und wie es damit umgehen kann. Das geht natürlich nur, wenn dein Kind schon ein gewisses Alter erreicht hat um zu verstehen, was du meinst.

Kleiner Buchtipp: Vivian Dittmar beschreibt in ihrem Buch «kleine Gefühlskunde für Eltern» die Gefühle und ihre Wichtigkeit.

Wir brauchen das Gefühl Wut,
wenn wir etwas falsch finden und es ändern können.
«Stopp!»

Wir brauchen das Gefühl Trauer,
wenn etwas schade ist, wir es aber nicht ändern können.
«Ja, so ist es!»

Wir brauchen das Gefühl Angst,
wenn wir etwas furchtbar oder aufregend finden.
«Aufbruch ins Ungewisse»

Wir brauchen das Gefühl Scham,
wenn wir etwas an uns falsch finden.
«Ich bin eine schlechte Mutter – stimmt das?»

Wir brauchen das Gefühl Freude,
wenn wir etwas richtig oder schön finden.
«Du bist wunderbar»

Probiere es aus: Benenne deine Gefühle und Bedürfnisse vor deinem Kind. Ihr werdet euch besser kennen lernen und könnt aufeinander Rücksicht nehmen. Dein Kind lernt seine Gefühle einzuschätzen und sie zu benennen.

3. Nicht zu viel und nicht zu wenig Gefühl!

Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr bei einem Gefühl oft über reagiert, dann lege ich euch das Buch «Gefühle und Emotionen» von Vivian Dittmar ans Herz. Es kann sein, dass ein Gefühl lange unterdrückt wurde, weil es z.B. in der eigenen Kindheit nicht erwünscht war und jetzt unverhältnismässig stark an die Oberfläche möchte. Genauso problematisch ist es, wenn ein Gefühl zu wenig Dasein hat. Dann haben Kinder kein Vorbild an dem sie sich orientieren können. Sie lernen dann nicht, mit diesen Gefühlen umzugehen.

Nach drei Jahren, in denen ich versuchte die Wut vor meinem zu unterdrücken – hatte ich die Wut das erste Mal rausgelassen. Meine Stimmt wurde lauter und ich sagte zu ihm, dass ich wütend bin. Meine Körpersprache und meine Worte – alles passte diesmal zusammen. Mein Sohn sah mich mit offenen Augen an und dann dieser Satz: «Mamas dürfen nicht wütend werden». Das hatte er ja auch noch nie erlebt.
Ich: „Mamas dürfen auch mal wütend sein. Ich weiss, dass ich dir lange Zeit nicht gezeigt habe, wenn ich wütend war, aber das möchte ich jetzt ändern. Jeder Mensch darf mal wütend sein und jedes Gefühl ist wichtig und darf da sein.“

Sei du selbst! Sei authentisch!
Denn so bist du das beste Vorbild für dein Kind.

Viel Mutterkraft und Liebe
Sara

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Hast du auch manchmal das Gefühl eine Rolle zu spielen? Schreib mir ein Kommentar – ich freu mich darüber.

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